September 20, 2021

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Creative Lab – Was war? Was bleibt? Was kommt?

Creative Lab – Was war? Was bleibt? Was kommt?

Ein Blick zurück nach vorn

Was ist? Die Akteure.

Da sitzen sie nun strahlend noch einmal vereint auf der Bühne und lassen sich und ihre Ideen beklatschen. Sechs Projektteams, die teils hier in der Zeitzer Nudel, auch daheim, inmitten der Stadt Zeitz oder in Werkstätten an ihren Ideen arbeiteten. Es ist Samstag, der 4.9., abends im Garten der Zeitzer Nudel. Das Finale des „Creative Lab Kohle Ideen“, das vom Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes in Zeitz initiiert und realisiert wurde.

Es ist der Ausklang eines finalen Tages, an dem sie von morgens bis hier quer durch Zeitz an verschiedenen Stationen den Status quo ihrer Projektideen öffentlich präsentierten. 

Was ist? Die Anschieber.

Da sehen wir sie nun, einen offensichtlich zufriedenen Oberbürgermeister und eine freudestrahlende Ines Will aus der Stadtverwaltung (Fotos darunter). Letztere hatte nicht locker gelassen, diese Initiative des Bundes nach Zeitz zu holen, ersterer stand dem von Anbeginn offen gegenüber.

Ein Selbstläufer war das dennoch nicht, wie Till Hasbach, Projektleiter des Creative Lab sich erinnert. Etwa an den ersten Besuch in Zeitz, als eines nachmittags mitten in der Woche er durch eine menschenleere Innenstadt lief und ihm Zweifel kamen ob dies der richtige Ort sei. Allerdings hätte Ines Will „einen guten Pitch gemacht„, ihn an Orte wie zu Initiativen in der Stadt geführt und die Stabstelle für Strukturwandel an Bord geholt, was ihn dann doch restlos überzeugt hätte. Heute zum Finale weiß Hasbach, es war die richtige Entscheidung.

Was ist? Die Aufmerksamen.

Für eine, noch am ersten Strukturbruch leidende, Stadt wie Zeitz ist Aufmerksamkeit wichtig, wenn sie sich neu aufstellen will. Die Kultur- und Kreativschaffenden wie auch jüngst das Creative Lab Kohle Ideen und das Drumherum haben uns als Stadt beträchtliche Aufmerksamkeit verschafft. Bei den Medien und in der Politik. Das ist nicht zu unterschätzen, wenn es darum geht als Schwerpunktregion wahrgenommen zu werden. Große deutsche Tageszeitungen, private und öffentlich Medien haben über Zeitz schon ganz anders berichtet, als so positiv wie in den letzten Monaten. Die einst Zeitz als eine „Geisterstadt“ zu stigmatisieren meinten, sehen heute „plötzlich Chancen“. Plötzlich? Mitnichten, dahinter steckt eine jahrelange Sisyphusarbeit. Aufmerksamkeit hilft dem Image auf die Füße, nach innen wie nach außen.

Kein Zufall also, dass inzwischen und öfter als zuvor, sich die politische Prominenz die Klinke in die Hand gibt. An machen Tagen kommen MinisterInnen gleich im Doppelpack. Wie an diesem Finaltag, als sich der für Kultur und Strukturwandel zuständige Minister Rainer Robra (Bild li.) und seine Kollegin, Umweltministerin Claudia Dalbert (Bild re.) , in der Stadt umsahen. Das, wie manche, als Wahlkampf abzutun wäre zu billig, wenn wir auf die Besuche im letzten Jahr zurück blicken.

Was war?

Was war ist schnell erzählt (weil schon viel erzählt ist). Einer bundesweiten Ausschreibung waren mehr als 50 BewerberInnen gefolgt. 6 davon bekamen den Zuschlag zur Teilnahme am Creative Lab. Zur Entwicklung ihrer Ideen erhielten sie eine Förderung, die ihnen einen 10-wöchigen Aufenthalt in der Zeitzer Nudel ermöglichten und angemessene Zuschüsse für ihre Aufwendungen. Vom Juli an bis in den September hinein sannen die Teams an ihren Ideen und arbeiteten an der Realisierung. Zwischendurch und insbesondere zur Halbzeit gab es neben zahlreichen Medienberichten für die Öffentlichkeit und die Bürgerschaft viel Raum für Information.
Die Beiträge wurden zwar viel gelesen, allerdings war die Annahme von Präsentations- und Mitmach-Angeboten der Teams überschaubar (mit Ausnahme der Vernissage im Kunsthaus). Das war auch am Finaltag nicht anders, was auch am Einschulungstag gelegen haben mag. Verwundern darf indes das, über den gesamten Zeitraum hinweg gesehen, doch bescheidene Interesse von StadträtInnen einschließlich seiner Mitglieder im Beirat für Strukturwandel und Digitalisierung.  

Was bleibt?

Für Realisten und Optimisten die Erkenntnis: in Zeitz geht was. Drei der sechs Teams wollen mit ihrem Projekt als Start up eine Geschäftsidee weiter verfolgen. Geschickt angestellt könnte Zeitz zur Probierstube für neuartige und nachhaltig-klimafreundliche Fassaden- und Dachgestaltung im Städtebau der Zukunft werden, Modellstadt klingt besser.
Betreiberinnen eines dreirädriges Cafés posteten jüngst stolz ihren Gewerbeschein und werden mobil neben dem Angebot von Leckerem für ihre Kulturstadt Zeitz Werbung machen. Ein Projekt streckt die Fühler aus, seine Form der Bürgerbeteiligung in Zeitz fest zu etablieren, wofür gerade in Strukturwandelzeiten viel spricht.
Im Kreise der zunehmenden Schar von Campern macht eine innovative App künftig deutschlandweit auf die Schönheiten in und um Zeitz aufmerksam. Deren Betreiberinnen übrigens gerade dabei sind, passende Höfe in Zeitz als möglichen Wohnsitz zu sondieren. Eine Gruppe ganz Junger macht sich auf den Weg, ihre Generation für eine wachsende Sportart zu begeistern, Zeitz als eSport-Standort zu supporten und berät zugleich Unternehmen in Sachen Social Media.
Und: der Beweis, dass sich Gespräche in Kunst übersetzen lassen ist dargestellt und birgt überdies Möglichkeiten eines neuen Dialogs zwischen den Generationen.

Für Besserwisser und Pessimisten der Tipp: in Zeitz geht was. Auch ohne euch. Es wäre allerdings besser mit euch und deshalb klug, die Angebote der offenen Menschen in den offenen Türen anzunehmen, sich ein Bild zu machen, die Diskussion zu führen, damit ihr wenigstens wisst wovon ihr sprecht. Bleibt ihr danach beim Pessimismus und der Meinung, die bessere Lösung zu haben, dann heraus damit – dann, aber erst dann geht’s auch mit euch. 

Was kommt?

So genau kann das niemand wissen. Nur eines ist gesicherte Kenntnis aus der nahen Geschichte: alles das, was wir in dieser Stadt für diese Stadt gemeinsam selbst in Gang setzen, wird die Zeit, die vor uns liegt, besser machen. 2038 – so sehr weit weg ist das nicht.

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About The Author

REINER ECKEL Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz. Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs. Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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