„Das letzte Abendmahl“ als Kampagne

„Das letzte Abendmahl“ als Kampagne

17.8.16 / 11:00 / Stephanstraße

Aus der Einladung zur Kampagnenpremiere:

„Unser großes Kampagnenbild für „1050 Jahre Zeitz“ feiert … Premiere in der Stephanstraße. Wir laden Euch ganz herzlich dazu ein! Für das Kampagnenbild haben waschechte Zeitzer Model gestanden und eine ganz eigene Interpretation des letzten Abendmahls geliefert. Unter dem Motto „Zeitz feiert“ soll damit auch auf das gleichzeitig stattfindende Reformationsjubiläum angespielt werden.“

Zeitzer*innen hätten bereits Ende April an einem Fotoshooting im Schloss Moritzburg teilgenommen und im Sinne des Stadtjubiläums die Szene des Abendmahls völlig neu und eigen interpretiert, heißt es in einer Pressemitteilung.

Nun lädt die Pressestelle der Stadt Zeitz zur Premiere des großformatigen Kampagnebildes. Als Hinweis auf den Ort, wo das Kampagnefoto entstand siehe versendetes Artikelbild.

Kommentar

Leonardo da Vinci, genialer Wissenschaftler und Künstler, hat der Menschheit mit dem Letzen Abendmahl ein rätselhaftes Werk hinterlassen, das Fragen unbeantwortet lässt und damit geheimnisvoll und wunderbar bleibt. Zigfach wurde es adaptiert, karikiert, interpretiert, in der Modernen Kunst und in der Werbung verfremdet.

Keine Geringeren als Salvadore Dali mit seiner 1955 entstandenen Adaption oder Andy Warhol wagten sich an die Auseinandersetzung mit da Vincis großartigem Werk heran.

In Frankreich etwa warb VW mit einem Bild, auf dem sich Jünger über die Geburt eines neuen VW-Modells freuen, deren Posen eindeutig an da Vincis Werk anlehnen. Eine US-Fernsehserie ließ seine Darsteller entsprechend posieren und in New York entbrannte ein heftiger Streit über eine Ausstellung in der auf einem Bild Jesus weiblich, schwarz und nackt dargestellt war.
Nicht selten beschäftigte der verfremdete Einsatz des Abendmals von da Vinci sogar die Gerichte.

Ob und wie sich die Zeitzer Kampagnemacher mit den Hintergründen für und in da Vincis Werk als Vorlage beschäftigten und wie sie nun dieses Meisterwerk interpretieren, darauf sind wir sehr gespannt.

Damit sich Leser vorab ihr Bild machen können, versuchen wir in der Infospalte etwas zur Aufhellung beizutragen.

Website 1050 Jahre Zeitz

Das Gemälde stellt die Szene des Letzten Abendmahls dar, in der Jesus mit seinen Aposteln in Jerusalem vor seiner Kreuzigung zusammensitzt und genau den Moment, als Jesus bekannt gibt, dass einer von ihnen ihn verraten würde. Das  Letzte Abendmahl schildert die verschiedenen Reaktionen der einzelnen Apostel.

Was tun die Apostel im Letzten Abendmahl?

  • Bartholomäus, Jacob und Andreas sind überrascht
  • Judas Ischariot ist im Schatten und wird überrascht von der plötzlichen Offenbarung. Er ist in horizontaler Linie der niedrigste in der Malerei. Petrus sieht wütend aus und Johannes scheint ohnmächtig.
  • Thomas ist aufgeregt; der erhobene Zeigefinger deutet seine Ungläubigkeit der Auferstehung. Jakob der Ältere sieht betrübt aus, mit seinen Armen in der Luft und Philip scheint eine Erklärung zu fordern.
  • Sowohl Thaddäus als auch Matthäos sind in Richtung Simon gewandt, vielleicht, um herauszufinden, ob er eine Antwort auf die anfänglichen Fragen weiß.

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Etwas zur Maltechnik

Entgegen der üblichen bewährten Technik für Wandfresken wendete Leonardo da Vinci für „Das letzte Abendmahl“ eine Technik aus Öl und Tempera an, durch die er atmosphärische Effekte und eine besondere Stimmung zauberte.

Schon bald nach der Fertigstellung der Wandfreske verlor die lebendig leuchtende und klare Originalfarbe an Ausstrahlung. Die feuchte Nordwand sog die Farbe auf. Verstärkt wurde dieser Prozeß noch dadurch, daß eine weitere Tür direkt in der unteren Mitte des Bildes in den Speisesaal geöffnet wurde, die damit das Bild in zwei Teile teilte.

Das Gemälde überlebte einen Bombenangriff der Alliierten 1943. Es wurde mehrfach restauriert. Während der letzten Restauration von 1979 – 1999, einer der aufwendigsten der Geschichte, wurden mehrere Schichten der bei vorangegangenen Restaurationen aufgetragenen Farben wieder entfernt.

Entgegen der üblichen bewährten Technik für Wandfresken wendete Da Vinci für „Das letzte Abendmahl“ eine Technik aus Öl und Tempera an, durch die er atmosphärische Effekte und eine besondere Stimmung zauberte.

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Verfall und Restaurierung

Der großer Nachteil dieser Technik bestand darin, dass schon bald die Farbe verblasste. Ein weiteres taten die Küchendämpfe dazu, an deren Rückwand sich das Werk befindet. Leider ist von der ursprünglichen Malerei wegen der Einwirkung von Feuchtigkeit nur sehr wenig übrig geblieben. Es gab zahlreiche Restaurierungsversuche: den ersten im Jahre 1726 von Michelangelo Bellotti, eine weitere Wiederherstellung wurde 1770 versucht. Im Jahr 1796 nutzten die französisch revolutionären anti-klerikalen Truppen das Refektorium als Waffenkammer, warfen Steine auf die Malerei und kratzen den Aposteln die Augen aus, wodurch  das Gemälde schwer beschädigt wurde. Später, im Jahre 1821 wurde ein Experte hinzugezogen, um das Gemälde zu entfernen und zu an einen sichereren Ort zu bringen, aber er beschädigte die Malerei stark und versuchte, die Abschnitte mit Leim wieder zu befestigen.

Danach wurde das Gemälde mehrmals gereinigt und restauriert, aber 1943, im Zweiten Weltkrieg, wurde das Refektorium von einem anglo-amerikanischen Bombenangriff getroffen. Das Kloster wurde durch eine Fliegerbombe der Alliierten 1943 schwer beschädigt. Zum Glück verhinderte ein Schutz aus Sandsäcken, dass die Malerei nicht durch Bombensplitter getroffen wurde. Die gesamte Wand „Das Letzte Abendmahl“ blieb unversehrt, aber wahrscheinlich kam es zu weiteren Schädigungen durch die Beben.

Von 1951 bis 1954 wurde eine weitere Reinigungs- und Stabilisierungs-Restaurierung durchgeführt.  Ein  von 1978-1999 durchgeführtes großes Restaurierungsprojekt unter der Leitung von Pinin Brambilla BARCILON dauerte 21 Jahre. Während der aufwendigsten Restaurierung der Geschichte wurden mehrere Schichten der bei vorangegangenen Restaurationen aufgetragenen Farben wieder entfernt. Am 28. Mai 1999 wurde das Gemälde wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Von diesem Zeitpunkt an ist es für Besucher erforderlich, weit im Voraus zu buchen, nur um das Wandbild 15 Minuten zu besichtigen. Heute sind es die Umweltverschmutzung und die nicht abreißenden Besucherströme, die dem Werk zusetzen.

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Quelle: www.milano24ore.de

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About The Author

REINER ECKEL Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz. Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs. Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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