„Die Höllenmaschine“ Jugendtheater Karambolage

„Die Höllenmaschine“ Jugendtheater Karambolage

24.6.15/18:00/Festsaal Moritzburg: Jugendtheater Karambolage

„Die Höllenmaschine“
Szenische Splitter nach Ernst Ortlepps Poem „Fieschi“

Hoellenmaschine plakat origOrtlepps Poem „Fieschi. Ein poetisches Nachtstück““ erschien 1835.
Sein Held war ein korsischer Rebell, der im gleichen Jahr versucht hatte, den König von Frankreich mit einer „Höllenmaschine“ zu erschießen. Mit einem Gewehr aus 24 Gewehrläufen, die so gekoppelt waren, dass sie gleichzeitig feuerten.

In einem großen Monolog bedenkt der zum Tode Verurteilte Fieschi sein Leben und mehr noch die Welt, in der er gelebt hat.

Ortlepp gibt uns einen tiefen Einblick in das Innenleben eines Attentäters. Fürst Metternich, der mächtigste Politiker der damaligen Zeit, ließ den Text sofort nach Erscheinen verbieten.

Das Lesen des „Fieschi“ inspirierte die Jugendlichen zu assoziativen Bildern, die sie in ihre eigenen Körpersprache übersetzen. Mit theatralen Stilmitteln schaffen sie szenische Bilder ihrer Denkweise. Stellen ihre Fragen und ihre Antworten in den theatralen Raum.

„Karambolage“ das sind Jugendliche im Alter von 13 bis 20 Jahre. Durch ständiges Körper- und Stimmtraining, Theater- und Improvisationsübungen in den Proben reifen die Jugendlichen zu eigenständigen, verantwortungsvollen und charakterstarken Erwachsenen heran. Viele Schwellen, wie Alters- und soziale Unterschiede, werden abgebaut oder verschwinden sogar durch das Theaterspielen.

Das Publikum erlebt Jugendliche, die aus Überzeugung auf der Bühne gemeinsam lachen, weinen, singen und tanzen.

Foto: Karambolage

karambolage vorlageAngefangen als Kindertheatergruppe der KulturVilla Kolorit sind aus den damaligen Kindern nun junge Erwachsene geworden, denen das Theaterspielen einfach Alles bedeutet. Die so entstandene Jugendtheatergruppe „Karambolage“ setzt sich aus alten und neu hinzu gekommenen Mitgliedern zusammen, die 2014 ihr 10-jähriges Bestehen feiern kann.

„Kalte Pizza“ war das erste Stück der Jugendtheatergruppe, mit welchem die Jugendlichen die aktuelle Problematik von Drogen und Alkohol ansprachen und sich damit einen Herzenswunsch erfüllten. Man spielte an Schulen und sogar zum Theaterfest in unserer Partnerstadt Detmold.

Als Sommerprojekt erforschte Karambolage die Geschehnisse der NS Zeit in Zeitz und die Geschichte rund um das KZ Außenlager „Wille“ in Rehmsdorf. Theatralisch umgesetzt trat die Gruppe in Zeitz vor Schülern der Sekundarstufe und in der Hochschule Merseburg im Bereich Kultur- und Medienpädagogik und Soziale Arbeit auf.

Da aber nicht nur Theater, sondern auch Musik in der Probenarbeit eine große Rolle einnimmt, startete 2010 die erste eigene Musicalproduktion. „Godspell“ war der große Durchbruch der Gruppe und wurde 19-mal auf den unterschiedlichsten Bühnen in und um Zeitz aufgeführt. Begleitet wurde das Musical durch eine Live Band.

2011 ließen die Jugendlichen ihrer Kreativität freien Lauf und feierten mit dem ersten selbst geschriebenen und inszenierten Stück „LIEBEMACHTTOD“ Premiere.

2012 wurde mit „Footloose“ ein großes Musical gewagt. 25 Darsteller mit einer Live-Band. Ende März wurde das Stück in den überfüllten Klinkerhallen Zeitz aufgeführt.
Außerdem zählten die Jugendlichen zu den Preisträgern des Jugend-Kultur-Preises 2012 der LKJ Sachsen-Anhalt.
Karambolage rockte beim 20. Landesschülertheatertreffen Sachsen-Anhalt 2012 in Magdeburg und brachte für seine Leistungen in der Musical-Aufführung „Footloose“ den „LanZe Pokal“ nach Zeitz.

2013 wurde es märchenhaft. Mit dem Musical „Ab in den Wald“ verzauberte Karambolage das Publikum.

Auch das Jahr 2014 begann erfolgreich. So wurden die Karambolagen am 12.01.2014 im Rahmen der „Arthur-Wolfsohn-Ehrung“ für ihre Leistungen ausgezeichnet.

Die Jugendtheatergruppe pflegt seit den Anfängen einen regelmäßigen Kontakt zur Zeitzer Partnerstadt Detmold und arbeitet eng mit der Ernst-Ortlepp-Gesellschaft in Zeitz zusammen.

Durch ständiges Körper- und Stimmtraining, Theaterübungen und Improvisationen in den Proben, wird Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein gefördert und die Jugendlichen reifen zu verantwortungsvollen und charakterstarken Erwachsenen heran. Akzeptanz und Toleranz sind selbstverständliche Gebote in der Theatergruppe und so zeigt die Arbeit beim Triton e.V. fast wie von selbst inklusiven Charakter.
Jeder wird nach seinen vorhandenen Fähigkeiten und Interessen eingesetzt. Castings gibt es nicht!

Eins ist sicher: Langeweile kennt man bei Karambolage nicht!
Weitere Infos im Archiv Karambolage und unter Presse.

Du bist dabei!

Wann? Jeden Dienstag, von 17.00 – 19.00 Uhr, in der Schulzeit
Wo? Zeitz, KulturVilla Kolorit, Geußnitzer Straße10 / Probensaal Altenburger Straße
Altersgruppe: Jugendliche ab 13 Jahre
Karambolage

1800 wurde Ernst Ortlepp am 1. August in Droyßig (bei Zeitz) als Sohn eines evangelischen Pfarrers geboren.

1806 übersiedelte die Familie nach Schkölen. Der Vater übernahm dort das Amt des Hauptpastors, das mit dem Titel eines Probstes verbunden war.

1812 – 1819 besuchte Ortlepp die Fürstenschule in Schulpforte, wo er die Organistenstelle zu versehen hatte. Abschluß "mit dem vorzüglichsten Zeugniß".

1819 – 1824 Studium der Theologie und der Philosophie in Leipzig. Umgang mit bekannten Professoren, der sich auch nach einem Jahrzehnt noch fortsetzte; hier seien nur der einstmals sehr bekannte Philosoph Wilhelm Traugott Krug und der Altphilologe Johann Gottfried Jakob Hermann genannt. Es gibt Gründe für die Annahme einer Bekanntschaft mit Christian Dietrich Grabbe, aber sie ist nicht belegbar. Ortlepp "... ließ ... so manche lyrische[n] und novellistische[n] Versuche drucken". Abgang ohne Abschluß.

1825 – 1830 "privatisierte Ortlepp in dem abgeschiedenen Schkoelen bei seinem damals noch lebenden Vater, in die Lektüre alter und neuer Schriftsteller vertieft und sich besonders im dramatischen Fach versuchend." In diese Zeit fällt offensichtlich auch die in den "Belustigungen und Reisen eines Todten" beschriebene Fußreise, die Ortlepp bis zum Rhein und Main führte.

1828 Gespräch mit Goethe in Dornburg über Wert und Möglichkeiten der Dichtkunst. Fast ein Jahrzehnt früher war Goethe Ortlepps Übersetzung der "Iphigenie" ins Griechische überreicht worden. Eine weitere Begegnung ist nicht gesichert.

1830 – 1836 Rückkehr nach Leipzig. Ortlepp war – nach seiner Darstellung – "der Erste, der der politischen Poësie wieder Bahn brach". Vor allem die sich an Schillers Lyrik orientierenden großen Gedichte, in denen biblische und kirchliche Gedenktage auf ihre möglichen Aussagen zu den aktuellen Strebungen hin – Julirevolution in Frankreich, Verfassungskämpfe in Sachsen, Polenaufstände – befragt wurden, sicherten Ortlepp die andauernde intensive Aufmerksamkeit der Zensur in Sachsen, Preußen und im Deutschen Bund. 1835 leitete Metternich persönlich die Verfolgung des großen Gedichts "Fieschi" ein, die zu dessen Verbot führte.

Ortlepp arbeitete in Leipzig für verschiedene Zeitschriften, unter denen "Der Komet" und die "Zeitung für die elegante Welt" die für den Dichter wichtigsten waren. Hier schrieb Ortlepp auch Opern- und Konzertkritiken. Zu seinen Bekannten dieser Jahre zählten Carl Herloßsohn, Heinrich Laube, Ferdinand Stolle und Richard Wagner.

Als Ortlepp 1836 aus Leipzig ausgewiesen werden sollte, gab es Bemühungen seitens der Professorenschaft, ihm dieses Schicksal durch die Vermittlung eines Lehramts an der Universität zu ersparen. Diese Bemühungen hatten keinen Erfolg. Der Dichter mußte Leipzig im November 1836 verlassen.

1837 – 1853 In diesen Jahren lebte Ortlepp in Württemberg, vor allem in Stuttgart. Über seine dortigen Lebensumstände und seinen Umgang ist bisher fast nichts bekannt. Wir wissen, daß ihn Herwegh in einer Rezension angriff und daß er mit Dingelstedt korrespondierte. Daß er an den geistigen Strebungen der Zeit regen Anteil nahm, erfahren wir aus Gedichten, die sich zu den Freiheitshoffnungen der Gutenberg-Feiern von 1840 bekannten oder sich gegen die Bemühungen der katholischen Kirche wandten, ihre durch Aufklärung, Reichsdeputationshauptschluß usw. verlorenen Positionen wiederzugewinnen (etwa durch die Präsentation des Heiligen Rocks in Trier 1844). Der Dichter begrüßte Strebungen unabhängiger Katholiken, sich von Rom abzugrenzen (Johannes Ronge und die Deutschkatholiken).

Die Ereignisse des Jahres 1848 belebten in Ortlepp noch einmal alte Hoffnungen. Mit seinem zyklischen Gedicht "Germania", das er in diesem Jahr in Frankfurt herausbrachte, wollte er dem deutschen Volk das Nationalgedicht geben, das ihm seiner Ansicht nach fehlte. Ortlepp war wohl der einzige unter den bekannteren deutschen Dichtern, der den Reichsverweser Erzherzog Johann ohne Ironie im Ton hoher Dichtung anredete. Das Buch stellt auch Texte für die politische Liturgie eines deutschen Staates vor, den man sich wohl als eine großdeutsche konstitutionelle Monarchie vorstellen muß; zu ihnen gehört der Text einer Nationalhymne.

Seinen Lebensunterhalt verdiente Ortlepp in diesen Jahren offenbar durch seine erstaunlich umfangreiche Tätigkeit als Übersetzer und Herausgeber. Hier seien – fast willkürlich – nur einige der Arbeiten genannt, die eine anhaltende Wirkung hatten. Eine Byron-Biographie, die Übersetzung aller lyrischen Gedichte Byrons, die heute noch benutzte Ausgabe der Werke Rabeners.

1853 wurde Ortlepp wegen seiner Mittellosigkeit aus Württemberg ausgewiesen.

1853 – 1864 Er kehrte in seine Heimatlandschaft zurück. Als Wohnorte werden – ohne sichere Datierung – Schkölen, Camburg und vor allem Naumburg genannt.

1856 versuchte Ortlepp einen beruflichen Neuanfang, indem er in Halle das Philologenexamen ablegte, das die Voraussetzung für das Lehramt an den höheren Bildungsanstalten war. Zur Vorbereitung auf dieses Examen hielt sich Ortlepp bei seinem Bruder in Zahna auf. Er konnte keine dem Examen entsprechende Anstellung erlangen.

Für die Jahre 1858 – 1861 sind Maßnahmen der Justiz wegen seines nicht hinreichend seßhaften Lebenswandels und einiger – vielleicht unter Alkoholeinfluß begangener – Ordnungswidrigkeiten bezeugt; zu diesen Bestrafungen gehören zwei längere Aufenthalte in der Landeskorrektionsanstalt in Zeitz.

Ortlepps poetische Produktion ruhte in diesen Jahren nicht. Trotz der widrigen Lebensumstände konnte er zwei bibliographisch selbständige Gedichtsammlungen herausbringen; von anscheinend zahlreichen Einzelblattdrucken wurden bisher nur einige wenige gefunden. Mehr als vierzig Gelegenheitsgedichte zu Fest- und Gedenktagen veröffentlichte Ortlepp während dieser Jahre im "Naumburger Kreisblatt"; das letzte der Gedichte erschien wenige Wochen vor dem Tod des Dichters. Schließlich schuf der Dichter in der alten Tradition des Carmen casualis auch Gelegenheitsgedichte für private Auftraggeber.

Besonders eng war er in seinen letzten Jahren mit Schulpforte verbunden, unter dessen Lehrern und Schülern er Freunde fand. Zu den letzteren gehörte Friedrich Nietzsche, Abiturient des Jahres 1864, der sich in einem Brief zu Ortlepps Tod äußerte; der Text bekundet Interesse und Sympathie für den toten Dichter.

Ernst Ortlepp wurde am 14. Juni 1864 am Rande der Gemarkung Schulpfortes tot aufgefunden. Ursachen und Umstände seines Todes konnten nie ganz aufgeklärt werden. Am 16. Juni 1864 begrub man ihn in Schulpforte.

Ernst Ortlepp

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About The Author

REINER ECKEL Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz. Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs. Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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2 Comments

  1. ORTZ

    Die in der Theaterwelt „verschwundenen“ sozialen Unterschiede bestehen umso hartnäckiger in der realen Welt weiter. Im wahren Leben geweint ist anders als auf der Bühne geweint.

    Reply
    1. zeitzonline

      Für Menschen auf der Bühne gehört diese ebenso zum wahren Leben, wie für mich das Zusehen und Zuhören zum wahren Leben gehört. Genau wie das Weinen.
      Beim Bloggen weiß ich übrigens gerne, mit wem ich kommuniziere.
      Gerne können Sie sich zur Veranstaltung davon überzeugen, dass die sozialen Unterschiede in der Theaterwelt keineswegs verschwunden sind.

      Viele Grüße
      Reiner Eckel

      Reply

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