Alles muss raus! Oder?

Alles muss raus! Oder?

Gespräche übern Ladentisch. Sie werden seltener.

Das liest der geneigte Kunde immer gerne, wenn es heißt „Alles muss raus!“. In der Regel ist das zweimal im Jahr zur Sommer- und zur Winterszeit, wenn die Kollektionen wechseln.

Und manchmal muss auch zwischendurch alles raus. Wie wohl in Kürze bei „Ernstings Family“ in der Wendischen Straße. Das erfährst du eher zufällig beim Gespräch über den Ladentisch. Sie, die Gespräche über den Ladentisch, werden auch immer seltener. Nicht, dass die Menschen etwa nicht mehr miteinander sprechen würden. Es sind die Ladentische, die immer weniger werden. Jedenfalls inmitten der Stadt.

Nun ist es in diesem Fall wohl so, dass nicht alles raus aus dem Laden, sondern der Laden raus dem Haus muss. Das Ergebnis ist dasselbe. Der Trend ist es, der erschreckend rasant zur Entleerung einer Innenstadt führt.

Derweil mehrten sich die Ladentische am Rande der Stadt und man kommt unweigerlich zu der Frage, ob dieser Unsinn Methode hat. So nach dem Motto „Alles muss raus“, aber aus der Innenstadt, fielen schon früh falsche Entscheidungen, ohne dass daraus für später etwas gelernt worden wäre.
Wie sonst sollte man sich den jüngsten Beschluss erklären, nachdem auf einer Brache nahe dem Bahnhof jener REWE-Markt gebaut werden kann, der von den Einen gewünscht, von den Anderen verflucht wird?

Damit kein Missverständnis aufkommt. „Unser REWE“, wie manche ihn schon nennen, wird keine Innenstadt kaputt machen. Der Beschluss ihn dort zu bauen ist aber trotzdem falsch. Denn während die Einen sich jahrelang bemühen, entlang der Weißen Elster Partner mit Geld für eine Entwicklung der Brachen (auch dieser) zur Ansiedlung von Gewerbe zu gewinnen, beschließen die Anderen eine derartige Bebauung. Der Witz dabei, über den man nicht lachen kann ist, das eben „die Einen“ jahrelang auch versuchten, „die Anderen“ nämlich die Stadträte davon zu überzeugen, wie wichtig eben diese Flächen für eine künftige Entwicklung sind. Es ist ja wohl augenscheinlich, zum Geld ausgeben haben wir reichlich, zum Geld verdienen zu wenig Orte.

Alles muss raus! So scheint denn unausweichlich, dass es eines schönen Tages doch hinreichend Ladentische geben wird, für Gespräche über sie hinweg jedoch die Menschen fehlen.

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About The Author

REINER ECKEL Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz. Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs. Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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