Was, wenn er nicht anruft?

Was, wenn er nicht anruft?

Wie man in Zeitz wichtige Fragen nicht stellt. Ein Kommentar.

Kommentar zum MZ-Wahlforum

von Reiner Eckel

„Viel Mühlgraben, wenig Perspektiven“, titelt ZeitzOnline den Bericht über das Wahlforum der MZ am 28.2.16.
Es scheint, als würde sich in Zeitz nur allzu gerne über die Vergangenheit unterhalten. Zukunft ist bestenfalls der Zeitraum bis Fertigstellung jener Baustelle, der Haushalt für das nächste Jahr, bei der Wahl gut abzuschneiden oder heil durch zu kommen. Wahlforen für Oberbürgermeisterwahlen machen da keine Ausnahme.

Auf die wichtigsten Fragen gibt es kaum Antworten. Warum? Weil jene, die Antworten müssten, sich die wichtigsten Fragen gar nicht erst stellen. Das Wühlen in der Vergangenheit und in Baustellenplänen ist einfacher, nahe liegender, besser geeignet für schnelle Antworten. Die Vergangenheit kennt jeder, die Baustellen sind nahe und nicht so elend weit weg wie etwa die Zukunft. So kommt es, dass es neben viel Mühlgraben und sonstigen Baustellen im Forum nur wenig bis nichts Perspektivisches gibt.

Oh, aber ja doch, man blicke in die Zukunft. Einen Bahnhof habe man gekauft, um Naherholung und Tourismus anzukurbeln. E-Bikes wolle man dort vermieten und Fahrräder verleihen. Den Brühl und das Wochenbett wolle man erneuern, weitere Bauaktivitäten seien in Anbahnung. Schließlich entstehe dort, wo gebaut wird auch Neues. Immerhin sei das doch ein Grund zur Freude. Unbestritten. Nur, muss das nicht die Frage aufwerfen: für wen?

Schlummern in den Schubladen der Amtsstuben etwa Konzepte, wie man den Radtourismus mit dem Bahnhof im Zentrum und überhaupt die Weiße Elster touristisch erschließen und als Kulturraum entwickeln will? Oder haben wir hier etwas verpasst? Wenn ja, tue Gutes und sprich darüber. Ansonsten bleibt die Idee von Fahrradverleih und E-Bike-Service eben eine Idee, mehr nicht.
Was nun die Baustellen betrifft und den Mut zur Lücke. Reicht es eigentlich aus „Hinein in die Mitte“ zu rufen, wenn der Fahrplan dorthin jedoch fehlt, wenn es keine Haltepunkte gibt geschweige denn so etwas wie geplante Ankunftszeiten und jemanden, der zuständig ist im Sinne von verantwortlich? Immerhin fahren aus Zeitz noch immer mehr Leute raus als rein. Mit One Way Ticket wohlgemerkt. Dann ist schon beängstigend, dass die richtigen Fragen nur einer stellt.

Damit, mit der Verweigerung die richtigen Fragen zu stellen, hängt auch ein vor sich hin dümpelndes Erscheinungsbild der Stadt zusammen. Von Marketing will ich gar nicht sprechen. Mit einem noch immer spürbaren Verliererimage kannst du nicht punkten. Nicht nach Innen und nach Außen schon gar nicht.
Wer kann schon von der Marke „Dom und Residenzstadt Zeitz“ wissen, wenn nicht einmal zentral von der Stadt heraus gegebene Pressemitteilungen den Hinweis darauf enthalten? Und, mit welchen Instrumenten platziere ich sie überhaupt und wo? Ist dies tatsächlich eine Marke mit Alleinstellungsmerkmalen, die geeignet sind neben anderen Dom- und Residenzstädten zu bestehen? Fragen, die sich offensichtlich niemand mehr stellt.
Dass es überhaupt zu ansatzweisen strategischen Überlegungen für ein Tourismusmarketing nach Außen kommt, ist allein dem Mitarbeiter*innenfleiß zu danken. Das ist gut, aber das wird nicht ausreichen, im Wettbewerb der Städte zu bestehen. Man bemüht sich hier mit hohem Engagement, dem Touristen, der anruft ein schönes Programm zu stricken – für einen Tag, für ein Wochenende, mit etwas Glück für eine Woche. Die Logik ist aber Reaktion, nicht Aktion. Denn Was, wenn er nicht anruft? Auch so eine Frage…

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About The Author

REINER ECKEL Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz. Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs. Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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