Oktober 17, 2021

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Literaturlab
Die Welt eine Bühne. Die Bühne ihre Welt.

Die Welt eine Bühne. Die Bühne ihre Welt.

Zwei Leben für das Theater

…oder „zwei leben für das Theater“.
Denn die Theaterbühne ist ihre Welt.
Rotraud Denecke und Thomas Volk leben Theater.

Wie sie andere mit dem Bühnenvirus anstecken
und Kolorit zur erfolgreichen Marke wurde.

Zum 25-jährigen Bestehen von „Kolorit“

Text, Fotos: Reiner Eckel

Fotos: Reiner Eckel

„Wir lieben das, was wir machen.“

Im Raum rund um die kleine Bühne sind die Wände mit schwarzem Tuch abgedunkelt. Der Flügel, die Scheinwerfer – ein Bühnenraum, ein Theater im eigenen Zuhause. An den Türen und Wänden Plakate, Bilder, Ausblicke, Erinnerungen. Was war, was ist, was kommt. Und alles hat, natürlich, mit Theater zu tun. „Wir lieben das, was wir machen,“ sagen beide über ihre Arbeit, die ihr Leben ist.

Rotraud Denecke und Thomas Volk sind im Theater zu Hause. Auch ihr zu Hause ist ein Theater. Ihre Kulturvilla in Zeitz trägt mit Kolorit den gleichen Namen wie ihr Unternehmen, mit dem sie im Oktober ihr 25. Jubiläum feiern. 1996 haben sie „Kolorit*“ gegründet, im Juni 2004 ihre Kulturvilla eröffnet.

Als wir uns zum Fototermin treffen haben sie gerade eine schwierige Zeit. Corona hatte vor allem eben diese Selbständigen in Kunst und Kultur hart getroffen. Keine Auftritte, keine Proben, für Theatermacher das Schlimmste, was sich denken lässt. Ihr gemeinsam versonnener Blick aus dem Fenster ein Blick ins Ungewisse. Rotraud Deneckes Lächeln jedoch verrät Zuversicht.

ETAPPEN

Existengründerseminar, 3 Jahre
1996
 Gründung „Kolorit“

seit 1998 Auslandsgastspiele
(Afrika, Rumänien, USA, Kanada)

2000 Gründung Verlag
„Kolorit Music Services“

Ausbildung Theaterpädagogik, 3 Jahre
2004 Eröffnung Kulturvilla

seit
2004 Kindertheater „Karambambini“
2007 MU-TH Musiktheater
2009 Jugendtheater „Karambolage“

„Wir brauchen immer unbedingt ein Ziel.“

Neben eigener Tournee- und Vorstellungstätigkeiten schreibt Kolorit mit ihrem 2000 gegründeten Verlag Arrangements und fertigt zur speziellen Nutzung Partituren, etwa für das Staatsballett Stuttgart oder die Dresdener Semperoper.
Nicht zu vergessen: die vielfältigen Aktivitäten im Amateurtheater, pädagogischer Projekte an Schulen und in der Erwachsenenbildung.

Unter dem Dach der KulturVilla Kolorit gründeten sie das Theater-Pädagogische-Zentrum Triton e.V. (TPZ). In diesem Verein betreuen Denecke und Volk die Amateurtheaterprojekte, die inzwischen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind. Denn jedes Jahr bringen die drei vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter reichenden Theatergruppen neue Stücke in eigener Bearbeitung auf die Bühne. Ein beeindruckendes Pensum.

Wir brauchen immer unbedingt ein Ziel,“ sagt Rotraud Denecke. „Ein Ziel“ ist gut, ergänze ich einmal frech. In den für die Proben der Amateure angemieteten Räumen allein sind die nächsten Ziele an Wänden und Gegenständen gut ablesbar (Fotos unten). Das steht dort nicht nur so hingeschrieben, diese Ziele werden auch erreicht. Trotz Corona, trotz hin und wieder auftauchender anderer Hindernisse. Wie zuletzt das Projekt „Theater durch Zeit(z) und Raum“, das sich an verschiedenen Spielorten mit der Theatertradition in Zeitz auseinandersetzt. Förderung erhielten sie dafür keine, aber dennoch ziehen sie es aus eigener Kraft bis zum Ende durch. 

ENGAGEMENT

Theaterpädagogische Arbeit an Zeitzer Schulen

Theaterpädagogik in der Erwachsenenbildung

Seit 2008 Projekt „KLaTSch“ in Sachsen-Anhalt

Internationale Projekte der kulturellen Jugendbildung

Nationale und internationale Theater- und Tanzpädagogik

Saalekreis: Gewaltprävention an Schulen

BEITRÄGE

Beiträge unter: Kulturvilla Kolorit

„Das Profigeschäft ist vom Gemeinnützigen streng getrennt.“

Die KulturVilla ist sozusagen der Nukleus allen Engagements von Kolorit. Neben der eigenen Koloritbühne sind im Haus die Büros untergebracht. Auch der Fundus wird hier aufbewahrt. Das Geschäftliche ist streng getrennt von dem, was Rotraud Denecke und Thomas Volk mit den Amateuren unter dem Dach des TPZ machen. Sämtliche schriftliche Unterlagen, die Buchführung, selbst Kostüme und sonstiges Beiwerk zur Ausstattung der Stücke folgen dieser Logik. Die Probenräume außerhalb der KulturVilla sind schon erwähnt. Theatermachen also auch eine raumgreifende Angelegenheit.

Wer einmal die Proben oder Aufführungen der Theatergruppen erlebte, der weiß um den enormen Aufwand und den Ideenreichtum. Phantasievolle Bühnenbilder, zauberhafte Kostüme und überraschende Requisiten machen neben dem tollen Spiel der Laien den Besuch zum Erlebnis. Dabei kommt Kolorit ohne jede Regel- oder institutionelle Förderung aus. Die Kosten für den Amateurbereich werden aus Vereinsbeiträgen, Eintrittsgeldern, Spenden, Sponsoring und Projektförderung gedeckt. Den Aufwand rundherum von der Plakatgestaltung und Internetwerbung über die Kulissen und Kostüme bis hin zu Transport und Verpflegung wird von vielen ehrenamtlichen Helfern und Unterstützern geschultert.

Rotraud Denecke im Kostümfundus in der KulturVilla (Bild links).

Melanie Wehner unterstützt als BuFdi (Bundesfreiwilligendienst) die Büroarbeit (Bild mitte).

Requisiten und Bühnenbauten für die nächsten Stücke in den Proberäumen des Amateurbereiches (Bild rechts).

„Wir sind voller Dankbarkeit und Stolz.“

Das 25. Jahr ihres Bestehens begann für Kolorit selbst und die Theatergruppen kompliziert. Ganz so, wie das Vorjahr endete. Corona ließ keine Auftritte zu und reduzierte die Begegnungen der Theatergruppen nahezu ausschließlich auf Onlineformate. Die allerdings nutzten sie aktiv, tauschten sich aus, probten sogar online und vor allem: sie hielten durch. „Wir brauchen unbedingt ein Ziel..“ und Ziele, die hatten und verfolgten und erreichten sie.

Dabei bekamen die Amateurtheatergruppen des TPZ viel unerwartete Unterstützung. Mitglieder, Eltern und Unterstützer riefen mit tollen Ideen zu Spenden auf, boten Gebasteltes zum Verkauf. Wir erinnern uns an Aufrufe zur Aktion „Muskelkater fürs Theater“. Viele liefen, fuhren Fahrrad, wanderten oder liefen Inlineskate, um für jeden zurück gelegten Kilometer einen Euro auf ein Spendenkonto zu überweisen. Rotraud Denecke und Thomas Volk dazu: „Wir sind voller Dankbarkeit und Stolz.“ Dankbar sind sie für die Unterstützung und stolz, dass ihr Engagement bei so vielen Menschen auf diese Weise Anerkennung findet. Eine Anerkennung, die sich Kolorit* mit viel Enthusiasmus, Disziplin, frischen Ideen und vor allem hart erarbeitet und verdient hat.
Toi, toi, toi für die Zukunft!

TERMINTIPP

25 Jahre Kolorit*
Die Jubiläumsfeier

Sonntag, 17. Oktober 2021, 15:00 Uhr

Hyzet Kultur-und Kongresszentrum


Webseite Kolorit

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About The Author

REINER ECKEL Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz. Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs. Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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