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Nichts verstanden aus Ruinen – Ein Gastbeitrag von Anke Wagener
Photo Credit To Philipp Baumgarten

Nichts verstanden aus Ruinen – Ein Gastbeitrag von Anke Wagener

Wie die MZ vom 23. Januar berichtete, wird das Haus Brühl Nr. 5 abgerissen. Man hatte es offenbar sehr eilig damit, denn heute steht es schon nicht mehr.

Die Abrisspläne der Stadt Zeitz, der Eigentümerin des Gebäudes, hatte 2016 bereits das Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt durchkreuzt. In einem Urteil wurde entschieden, dass das historisch wertvolle Gebäude nicht abgerissen werden darf. Und nicht nur das: Die Stadt Zeitz wurde in diesem Urteil angehalten, die Gebäude zu sichern. Die Stadt hat Gutachten in Auftrag gegeben und weiter Dachluken offen stehen lassen. Derweil haben Wind und Wetter ihr Werk getan. Private Eigentümer, dürften in solchen Fällen sicher mit einem Ordnungsgeld rechnen.

Nur eine von vielen Ruinen, könnte man nun denken. Zu teuer und kein Geld, sagt die Stadt. Dabei wurde der Raum vor den verbliebenen Häusern im Brühl gerade aufwändig neu gestaltet. Eine verkehrsberuhigte Zone. Wer wird sich dort aufhalten? Von der Ostseite des Brühl sind nur noch zwei Häuser geblieben. Auf dem ehemaligen Brühl Nr. 6 wurde gerade ein neuer Parkplatz angelegt. Das Geld dafür kommt wohl aus „anderen Töpfen“.

Der Brühl ist eines der ältesten Stadtteile von Zeitz. Das Haus Brühl Nr. 5 ist ca. 250 Jahre alt, Jahre, in denen gelebt und gestorben wurde. Bis kurz nach 1989 war das Haus bewohnt. Was zwei Weltkriege, die Mangelwirtschaft und die Plattenbaupolitik der DDR nicht geschafft haben, wurde nun zu einem traurigen Ende geführt. Bereits 1986 hatte übrigens das Institut für Denkmalpflege in Halle auf den historischen Wert der Bebauung im Brühl verwiesen.

Viele Zeitzer erkennen ihre Stadt kaum noch wieder. Was macht eine Stadt aus? Menschen lieben ihre Heimatstadt, weil mit Häusern, Straßen und Plätzen eigene und kollektive Erinnerungen verknüpft sind.

Dabei ist Zeitz – in Autobahn- und Flughafennähe und nah bei Leipzig -kein Ort, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen müssten. Schon jetzt pendeln Menschen zur Arbeit nach Zeitz. Doch wie attraktiv ist die Stadt noch? Nutzt die Stadt alle Möglichkeiten, um Menschen hierher zu locken, die all die Ruinen füllen und sich dann auch in verkehrsberuhigten Zonen, wie im Brühl, aufhalten würden?

Über die Gastautorin:

Anke Wagener ist in Zeitz aufgewachsen und lebt in Leipzig. Seit knapp zwei Jahren arbeitet sie mit weiteren Akteuren in der Stadt Zeitz an Konzepten, um einen Beitrag zur Wiedernutzbarmachung von Leerstand zu leisten.

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Medienkunst, Verlagswesen, Kloster Posa, Kreativwirtschaft, Denkmalkultur, Stilblüten aus Mitteldeutschland

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