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Dumpfer Groll und Lichtblicke im Regen

Dumpfer Groll und Lichtblicke im Regen

Ein surrealer Sonntag in Zeitz. 

An einem verregneten Sonntag werden in der Zeitzer Michaeliskirche die Interkulturellen Wochen im Burgenlandkreis eröffnet. Motto „Vielfalt verbindet im Burgenlandkreis“. Am gleichen verregneten Sonntag lädt die AfD zur Protestkundgebung auf den Altmarkt. Gegen Vielfalt. Gegenüber versammeln sich jene, die nicht dulden, wie die AfD Opfer für ihre Zwecke missbraucht. Sie haben Plakate mitgebracht, um zu zeigen, was sie von diesen Aufmärschen halten.

Die AfD hatte mit dem Motto „Sicherheit auf Messers Schneide!?“ auf den Vorfall einer Messerattacke auf einen Zeitzer vor drei Tagen angespielt, den sie auch zum Anlass für ihren Aufruf nahm.  Was nicht einmal der ermittelnden Polizei klar ist, weiß der Zeitzer Uwe Gewiese ganz genau. Als wäre er dabei gewesen schildert der AfD-Mann den etwa 180 regenbeschirmten ZeitzerInnen den Tathergang mit dem schrillen Ruf am Schluss „Es reicht!“. „Die Merkel“ sei schuld, „die unter Rechtsbruch sintflutartige Migrantenströme ins Land holt“. Herrn Gewiese als vielwissenden Aufklärer und selbsternannten Juristen konnte nur noch André Poggenburg als Redner übertreffen.
Der freue sich, wenn er als Rechtspopulist bezeichnet werde. „Ich bin rechts und stehe dazu. Ich bin leidenschaftlich rechts und will den Rechtsstaat.“ Das wollen wir, wenn er einen rechten Staat meint, gerne glauben. Im Kampf „gegen die Wahlverfälschung der Etablierten durch staatliche Unterstützung linker Vereine,“ so Poggenburg wörtlich, „wissen wir die Polizei auf der Straße an unserer Seite. Nur deren Funktionäre in den Teppichetagen sind noch die Alten.“
Wer André Poggenburg gelegentlich zuhört, für den war das nichts Neues. Dass er aber für solche üblen Phrasen den Beifall von ZeitzerInnen bekommt, das muss erschrecken. Allein mit verständlichem Groll auf das was die GroKo in Berlin seit Wochen zelebriert ist das nicht zu erklären. Wer hier her kam, zuhörte und dem Zugehörten Beifall zollte, kann als nur besorgter Bürger nicht durchgehen.

So gab es an diesem verregneten Sonntag auch den Lichtblick. Menschen, die gegen plumpe Propaganda aufbegehren. Menschen, die sich auch vom Ruf der vorbeigehenden Gruppe ZeitzerInnen „Haut doch ab nach Afghanistan“ nicht provozieren lassen.

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About The Author

REINER ECKEL Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz. Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs. Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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