Ein Schwein als Denkmalretter

Ein Schwein als Denkmalretter

Jugendliche, ein Graffiti und ein Schwein retten ein Haus

Als „Algie“ hat ein kleines Schwein seine ganz eigene Geschichte geschrieben. Doch dazu später. Ein kleines Schwein ziert auch das Graffiti „ZEITZ – gemeinsam gestalten“ am Obergeschoss der Liebknechtstraße 10. Gemeinsam gestalten, unter diesem Motte nahmen Jugendliche und Schüler:innen ihr Graffitiprojekt in Angriff (wir berichteten). Heute (21.10.) wurde es offiziell vorgestellt. Neben Informationen gab es leckere Kürbissuppe und viele Gespräche mit den Protagonist:innen des Projektes.

Ersatzvornahme und Notsicherung günstiger als Abriss

An dem Haus war Gefahr im Verzug. Das obere Geschoss war von starken Brandschäden gezeichnet, das Umfeld total vermüllt. Ein Eigentümer war nicht auszumachen, also musste die Stadt handeln. Weil ein Abriss aus städtebaulicher Sicht fatal wäre, entschloss man sich zur Ersatzvornahme. Das brachte den städtischen Denkmalschützer Carsten Bernstein auf eine Idee (im Bild rechts). Die trug er dem Reallabor ZEKIWA Zeitz (RZZ) vor. Man könnte ja die Notsicherung nach außen für jedermann sichtbar mit einer Gestaltung verbinden und das wiederum mit aktiver Bürgerbeteiligung, um ein buntes und optimistisches Zeichen zu setzen.

Vom Graffitiworkshop zur Realisierung

Mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Forum Rathenau e. V. als Kooperationspartner im RZZ fand er die richtigen Verbündeten und die wiederum fanden den Graffiti-Künstler Moritz Linsel (im Bild Mitte). Der führte mit Jugendlichen aus Maßnahmen bei der GfM Workshops zur Entwicklung eines Motivs durch. Danach entstand binnen drei Tagen im RZZ das markante Graffiti mit dem Schriftzug auf riesigen Trapezblechen. Die handwerklichen Arbeiten übernahm die Firma Dachdecker Lippold. „Alles, was Sie hier sehen, haben die Jugendlichen selbst entworfen und umgesetzt“, erzählt Linsel bei der Übergabe heute.

Ein Schwein namens „Algie“

Carsten Bernstein hatte dazu Material gesammelt. Einmal hatte ein belgischer Fotograf Tiere an verlassenen Orten weltweit platziert um zu zeigen, wie Städte aussehen könnten, wenn die Welt von den Menschen verlassen würde. Unter anderem auch ein Schwein in der Nikolaikirche in Zeitz. 1976 sorgte „Algie“ in England für Aufregung. Pink Foyd hatte für ein Auftragsfoto ein riesiges mit Helium gefülltes Schwein zwischen zwei Schornsteinen anbringen lassen. Das aber hatte sich gelöst, stieg bis in 9.000 Meter Höhe auf und brachte damit den kompletten Luftverkehr über London zum Erliegen. Seither ist jenes Schwein immer einmal wieder symbolisch an Ruinen oder zu rettenden Denkmälern aufgetaucht. Heute wurde hier nun diskutiert, ob nicht eben dieses Schweinchen Algie eine Kampagne namens „Zeitz gemeinsam gestalten“ als Symbolfigur begleiten könnte. Ob nun mit oder ohne das Schwein Algie, „Zeitz gemeinsam gestalten“ ist jedenfalls ein schöner Anfang. Und ein guter Slogan.

 

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REINER ECKEL Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz. Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs. Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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