Andreas Richters zauberhafte Papierwelten auf Schloss Moritzburg
Was für eine wunderbare Idee! Der Dobiser Papierkünstler Andreas Richter öffnet seine faszinierende Wunderkammer aus skurrilen Objekten und kuriosen Kunstwerken – platziert inmitten der Schatzkammer Mobiliar und Kunsthandwerk im Museum Schloss Moritzburg Zeitz.
Gut besucht war die Ausstellungseröffnung am Samstag in Anwesenheit des Künstlers, musikalisch begleitet von Niklas Franziskus Makowski am Cello. Zur Einführung sprach Roland Rittig, den mit Andreas Richter seit 50 Jahren so etwas wie eine fruchtbringend-produktive Freundschaft verbindet. Unzählige Plakate und Publikationen für das Museum Moritzburg, die Ortleppgesellschaft und andere haben die beiden gestaltet, allesamt von ästhetischer Meisterschaft zeugend. Informative Hingucker, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Anerkennung finden. Eines dieser kleinen Meisterwerke gestalterischer Kunst begleitet als Publikation diese Ausstellung.
Über die Kunst Andreas Richters lesen wir in dem kleinen aber feinen Heft diesen Text von André Schinkel:
„Tangaren, Grashüpfer und Schatullen, ja, Obelisken ins Licht, Schubladen ins Geheimnis, Farben und Wunder sind uns mehr denn je vonnöten in dieser Zeit – und papierene Wunderkammern sind leicht. Man kann sie mitnehmen und an jedem Ort der Welt aufstellen und wiedererrichten. Andreas Richters Papierwunderwelten sind still, von leuchtender Stille, bunt, voller feinem Zauber – und es rummelt in ihren Untergründen eine Liebe zur wirklichen Welt und ihrer Vitalität. Deshalb sind viele der Objekte Richters Dioramen oder haben Schubladen: die Abbilder eben jener darin sanft einzufangen und zu sammeln. Ja, denn er ist ein Sammler, es zeigt sich auch bei den hüllenden Blättern dieses Heftes, was wiederum mein Sammlerherz bewegt, diese Schönheit der Verzweigungen und Gehäuse, mit der Andreas Richter seine Kunst hier umtut! Und wie der Mann Vögel und Libellen faltet, glaube ich, hat er auch in die Mollusken-und-Korallen-
Über die erwähnten geheimnisvollen Schubladen schreibt der Dichter Wilhelm Bartsch diese Verse:
Schublädchen
Mach, falls du kannst:
Kommödchen voller Nichtigkleidchen
Grashüpfer, die nicht schrecken und beleid`gen,
mit weiter nichts als Glück im Wanst,
die du, entzückt, anspringen kannst,
mit Schüben selbst noch Elefantenbeine,
vergoldet und verklappt die Spur der Steine,
und luftklar Wasser in dem Goldfischteich,
Mohrrübenschachteln, rot und reich:
Mit Pappe und Papier der Dichter
Andreas Richter
„Die Dobiser Kunst- und Wunderkammer“ von Andreas Richter, zu sehen bis zum 18. Oktober 2026. Ein Besuch durch die Ausstellung ist ein lustvoller Spaziergang durch das Leben „mit weiter nichts als Glück im Wanst“.
Andreas Richter wurde 1954 in Berlin geboren. Er erlernte das Buchbinderhandwerk und legte in diesem Fach in vierter Generation die Meisterprüfung ab. Danach arbeitete er als Restaurator in der Papyrus-Sammlung des Ägyptischen Museums Berlin. Anschließend arbeitete er als Werkstattleiter an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Seit 1977 ist er freischaffender professioneller Künstler und seit 1978 Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler. 1979–1980 baute er gemeinschaftlich mit Ingrid Schultheiß an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle die Klasse für Bucheinband auf. Danach erhielt er mehrere Lehraufträge an dieser Kunsthochschule. Seit Anfang der achtziger Jahre war er an einschlägigen Kunstausstellungen in Deutschland beteiligt, unter anderem in Berlin, Dresden, Erfurt, Leipzig, Zeitz, Frankfurt/Main, Stuttgart und im Ausland in Moskau, Tokyo und London. Seit 1999 lebt und arbeitet er in Dobis bei Wettin.
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