Denk- und andere Barrieren nahe der Allee.

Was Stadträte beim Bäumezählen übersehen haben.

Gelegentlich sieht und hört man Zeitzer Stadträte trefflich streiten. Besonders die dem Gegenüber unterstellen ihm fehle der Blick fürs Wesentliche. Dann kommt es vor, dass sie sich gegenseitig „Mangel an Ernsthaftigkeit“ und schlimmere Dinge vorwerfen. Etwa bei dem Streit um Denkmalsockel und Sichtachsen am Altmarkt. Oder wie jüngst, als man stritt, ob sich die Dr.-Flörsheim-Allee noch Allee nennen dürfe, wenn am Bau des Nettomarktes in den Baumreihen 4 Bäume fehlen. Bei derart existenziellen Fragen wird schon einmal aus lauter Frust der Saal verlassen. Was für Denkbarrieren und welch hilfreiche Streitkultur! Immerhin, darüber wird dann großräumig berichtet.

Apropos Denkbarrieren und Blick für das Wesentliche. So engagiert hätte sich wohl Karin Eitner die Stadträte gern in die Planungen des Markendiscounters an der Gleinaer Straße einmischen sehen. Die Zeitzerin entdeckte eben dort in unmittelbarer Nachbarschaft des Streitobjektes ganz andere Barrieren und fragte bei ZeitzOnline an. Was man denn tun könne, wenn die Planer großzügig Parkplätze anlegten und sie zwar leicht erreichbar für des Deutschen liebstes Spielzeug machten, doch offenbar weder mit alten noch behinderten Menschen als Kunden gerechnet haben.

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Und tatsächlich, wer aus Osten über eben jene Allee der vier fehlenden Bäume oder von Süden aus der Gleinaer Straße mit einer Gehilfe oder dem Rollstuhl kommt, der hat ganz schlechte Karten: Er oder Sie trifft zur Überwindung der Böschungen hier nur auf Treppen. Im Alltag bedeutet das den Umweg außen herum um den gesamten Parkplatz bis zur Autoeinfahrt. Hier hat jedoch auch niemand an die Fußgänger gedacht, geschweige denn an Rollstuhlfahrer oder ältere Menschen mit Gehilfen. Es geht zwar mit Richtungspfeilen rein und raus, für die Autos. Fußgänger müssen sehen wo sie bleiben, denn an der Einfahrt ist Sense mit Fußwegen.

Für Junge und Gesunde mögen Treppenstufen kein Problem und der einem Auto ausweichende Seitensprung eine Alternative sein. Die Jungen sind hierzulande jedoch längst in der Minderheit. Deshalb empfiehlt ZeitzOnline den streitbaren Stadträten, vor dem nächsten Ortstermin zum Bäumezählen einen Einkauf bei Netto. Möglichst mit dem Rollstuhl oder einem Rollator. Das könnte helfen, den Blick fürs Wesentliche und die realen Befindlichkeiten der Menschen zu lenken, denen ein „Mangel an Ernsthaftigkeit“ das Leben zusätzlich erschwert. Schließlich rühmt sich Zeitz gelegentlich als Modellstadt für Barrierefreiheit.

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About The Author

REINER ECKEL Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz. Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs. Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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