Horizonterweiterung

Horizonterweiterung

Ein Ostergruß den Leserinnen und Lesern

reiter_osternKennen Sie den auch? Diesen gefühlten Mief, wenn du morgens die Zeitung aufschlägst? Hin und wieder eine Neuigkeit, doch sonst kommt dir doch alles schon ziemlich bekannt vor. Mindestens aus der Tagesschau oder wenigstens aus der Onlinevorschau. Gut, ab und an ein Termintipp und der Züchter von gegenüber hat mit seinem Riesenrammler schon wieder einen Preis gewonnen.

Draußen auf der Straße geht das dann weiter. Kein Haus, dass du nicht längst kennst, kein Mensch, den du nicht schon begrüßt hättest. Kein Ranzen tragendes Kind, das dir nicht schon am Morgen zuvor an der Schule auf dem Weg zur Arbeit begegnet wäre.
Und die Arbeit? Auch immer dasselbe. Die Kollegin gegenüber macht ihre Selbstgespräche, der Kaffee ist wie immer entweder alle oder schon kalt, wenn du kommst.
Der Chef lässt sich nicht blicken und wenn, dann gibt es irgendwelchen Ärger. Den du in der Regel auch schon kennst.
Genau wie die kleinen einst geheimnisvollen Versteckecken jetzt an Ostern.

„Wenn der Alltag dir arm erscheint, klage ihn nicht an – klage dich an, daß du nicht stark genug bist, seine Reichtümer zu rufen, denn für den Schaffenden gibt es keine Armut.“

(Rainer Maria Rilke)

Nein, den Alltag anklagen liegt mir selbst an solchen Tagen fern. Unsereins darf sich durchaus als „Schaffender“ fühlen. Womöglich ist es gerade das – zu viel Schaffen macht irgendwann alltagsmüde.

Dann ist Ostern eine gute Zeit zum Abrücken. Zeit, einmal wieder den Horizont zu sehen. Eine Zeit lang raus aus dem gefühlten Mief, tief Luft holen. Die alte Luft auspumpen, durchatmen ganz tief einsaugen die Frische.

Also nordwärts dorthin, wo der Horizont sich als Krümmung zeigt, die Luft kalt ist und der Himmel so hoch ist.

Keine Wolke triffst du hier, die dir schon begegnet wäre. Selbstgespräche führen ist Sache des Windes und der brechenden Wellen. Du wirst es einige Tage genießen dieses ewige und immer neue Spiel.

Und dann, bald schon, wirst du ihn wieder lieben, diesen gefühlten Mief, wenn du morgens die Zeitung aufschlägst.

Fröhliche Ostern allen Leserinnen und Lesern.

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About The Author

REINER ECKEL Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz. Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs. Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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