Alle Jahre wieder

Der Zeitzer Michael und der Zeitzer Kleingeist

Reiner Eckel

Seit 17 Jahren gibt es den „Zeitzer Michael„, den Existenzgründerpreis, vergeben von der Stadt Zeitz, dem Burgenlandkreis und dem Pakt für Arbeit Zeitz. Etliche Unternehmen fördern die insgesamt sechs Sonderpreise und den Hauptpreis. Durchschnittlich bewerben sich 20 Existenzgründer jedes Jahr. In jedem Jahr erklärt der vorherige Preisträger, dass ihm der Preis und wie er ihm geholfen habe.

Seit 17 Jahren kann ich in schöner Regelmäßigkeit verfolgen, wie sich am Tag nach der Verleihung so eine Art kritischer Kleingeist regt in der Kritik an der Vergabe übt. Mal war der Preisträger den Kritikern „zu wenig innovativ“, mal ging es „nur um eine Unternehmensnachfolge“, mal war es „nur einfaches Handwerk“. Fast immer wurden diese Debatten von Bewerbern ausgelöst, die ohne Preis blieben. Das allein ist schon seltsam genug.
In diesem Jahr wabert erneut jener Geist durch soziale Netzwerke und leider auch durch lokale Tages- und Wochenzeitungen. Es geht um den Hauptpreis an Christian Heiland mit „Brauhaus und Schnitzelschmiede“. Hauptkritikpunkt: jemand, der mit seiner Gründung vier Jahre am Markt ist, sei kein Existenzgründer mehr.

Das ist aus zwei Gründen falsch.

  1. Schon formal, denn (Antwort aus dem BMWi auf meine Anfrage):
    „im Jahr der Betriebseröffnung und die folgenden fünf Wirtschaftsjahre gilt man als Existenzgründer. In dieser Zeit können Sie eine Ansparabschreibung für Existenzgründer bilden. Diese Rücklage muss spätestens fünf Jahre nach Bildung der Ansparabschreibung wieder aufgelöst werden.“
  2. Entsprechend der Ausschreibung des Zeitzer Michael können sich Existenzgründer bis vier Jahre nach der Gründung bewerben.

Nun drohe er „weiter an Bedeutung zu verlieren“, der Existenzgründerpreis Zeitzer Michael, denn man könne „bei aller Liebe nach vier Jahren nicht mehr von Existenzgründung sprechen“. So lesen wir in Kommentaren der Tagespresse. Und im Web 2.0 wollen selbst solche, die sich bewarben und während der Vergabe anwesend waren doch bitte endlich die Gründe der Vergabe erklärt bekommen. Sie tun gerade so, als hätte es weder eine Laudatio auf den Preisträger mit ausführlicher Begründung gegeben noch hätten sie die Ausschreibungsbedingungen je gesehen.

Da frage ich mich dann schon, was diese Art öffentliche Kritik eigentlich bezwecken soll. Da haben wir die Kritik von Bewerbern, bei der mir nur das Bild der beleidigten Leberwurst einfällt. Und wir haben die Presse, die öffentlich Fragen stellt, die bereits zuvor schriftlich in Ausschreibungsunterlagen und unterschiedlichsten Veröffentlichungen beantwortet sind.

Immerhin, eines haben wir damit gekonnt. Außerhalb unserer Stadtmauern gibt es einmal mehr Kopfschütteln über derlei kritischen Zeitzer Kleingeist.

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About The Author

REINER ECKEL Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz. Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs. Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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