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Erfrischend, anregend, konträr

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„Mut zur Lücke“ löst zur Pecha Kucha Night Debatten aus

Was gute Veranstaltungen ausmacht: wenn nach den Pausen alle Teilnehmer*innen wieder anwesend sind. So war das gestern Abend im gut gefüllten ehemaligen Kaufhaus Blokker zur 3. Pecha Kucha Night Zeitz. Nina Rüb und Philipp Baumgarten von Kloster Posa hatten einen guten Mix an Vorträgen gechartert.

Obwohl die am heftigsten diskutiert wurden, beim Leitthema „Mut zur Lücke“ ging es in den Vorträgen nicht nur um Baulücken, Leerstand und Abriss. Es spielte auch Belebung eine große Rolle. Etwa im Beitrag von Haus- und Wagenrat und Leipzig. Der Verein aktiviert den Erhalt von Häusern durch kollektive Mieterverantwortung, könne in Leipzig auf einige Erfolge verweisen und darauf, was Bürgerwille zu leisten vermag. In der Pause bemerkte er übrigens, er sei in der Zeitzer Stadtverwaltung mit seinen Ideen auf offene Ohren gestoßen.
Von einem guten Beispiel für erfolgreiches Engagement „von unten“ sprach Harald Rosahl als „Überzeugungstäter“ über die Evangelische Grundschule in Zeitz. Die Schule wird künftig im geschichtsträchtigen Franziskanerkloster 120 Grundschüler*innen unterrichten.

Jörg Stolper, Chef der Zeitzer Wohnungsbaugesellschaft zeigte einige der erfolgreichen Lückengestaltungen, die seine Gesellschaft realisierte. Gerade fertig und vor dem Einzug der ersten Mieter strahlt etwa der moderne Lückenbau am Neumarkt Nummer 2.

Zwei Welten und gute Aussichten?

So gar nicht zusammen kommen wollten Christian Villiers und Matthias Mahnke. Villiers referierte über Stadtentwicklung und was man weshalb an Abriss plane, und wo. Dem neuen Inhaber der Zeitzer „Nudel“ wollten weder diese Absichten noch die Interpretation der statistisch erwarteten Bevölkerungsentwicklung gefallen, die der Planung zugrunde liegen. Er sei ein grundsätzlicher Gegner von Abriss und wünsche sich rund um „seine Nudel“ keinen weiteren Rückbau. Hier prallen wohl Welten aufeinander und dennoch ist ein öffentlicher Diskurs immer noch besser als würde man nicht miteinander sprechen. Zumal sich gerade in letzter Zeit Hoffnung machende Initiativen auf den Weg machen, in Gebäuden wie der „Nudel“ oder Zekiwa mehr eine Chance als denn ein Belastung zu sehen.
In der anschließenden Diskussion mahnte Hans-Joachim Richter an, Bauten auch als das kulturelle Gedächtnis einer Stadt zu betrachten. Zuletzt regte sich in der medialen Öffentlichkeit auch Widerstand gegen den beschlossenen Abriss der ZEKIWA-Puppenwagenfabrik. Die Debatten um das Thema „Mut zur Lücke“ in baulicher Hinsicht haben eben erst begonnen und wird Zeitz wohl noch lange begleiten.
Für solche Diskussionen hilfreich kann durchaus die Erinnerung sein. So eine, welche Eugenia Freund, die in Naumburg arbeitende Architektin zeigte. „Ist Leipzig noch zu retten?“, die Dokumentation setzte sich zwei Jahre nach der Wende mit dem Verfall Leipzigs auseinander, etwa im Stadtteil Plagwitz. Die Frage, die sich anschließt: was wäre Leipzig heute, wenn damals geplanter Abriss tatsächlich passiert wäre?

Andere Lücken, andere Ideen

Haben Sie den neuen „Mut zur Lücke“ bei Prominenten schon bemerkt? Den hat Zahnärztin Lisa Zumpe ausgemacht und berichtet über das bewusste Tragen von Zahnlücken der Menschen in anderen Kulturen. Manche wollten damit der Sklaverei entgehen, in anderen Kulturen seien Zahnlücken Schönheitsmerkmale, wieder andere würden die Zähne anspitzen. Ob sich das im Sexualleben tatsächlich stimulierend bemerkbar mache, sei im Umlauf, aber nicht belegt.

Belegt indes ist, was Dahna Menner und Martin Naundorf zu zeigen hatten. Sie füllten in der ähnlich wie Zeitz belasteten Stadt Wittenberge bestehende Lücken der anderen und auf andere Art. Das studentische Projekt „Raumblühen“ aktivierte eine Zeitlang mit Bürger*innen einen kleinen Stadtteil mit allerhand kulturellen und kommunikativen Aktionen.

Sollten Sie am 26. und 27. September zwischen Jena und Naumburg mit der Bahn unterwegs sein könnten Ihnen Menschen von Leitern in das Zugfenster schauen oder hüpfende Büsche begegnen. Was es damit auf sich hat? Sehen Sie selbst:

„Bewegtes Land“ bat zur Pecha Kucha Nacht um Unterstützung, es werden noch Darsteller*innen gesucht.
Mehr darüber auf: bewegtesland.de

Unser kurzes Fazit

Pecha Kucha in Zeitz: Erfrischend, anregend, konträr. Und unbedingt notwendig.
Ein Dankeschön an Kloster Posa, der WBG und Kolorit für die Räumlichkeiten.

  • Zahnlücken sind wieder hipp findet Lisa Zumpe
  • Publikum
  • Pausendebatten
  • nächtliche Debatten
  • Mittendrin OB Christian Thieme
  • mit Kind und Kegel
  • Klaus Schotte glaubt an die Kraft des Kollektivs
  • Harald Rosahl
  • Hans-Joachim Richter sieht Häuser als kulturelles Gedächtnis
  • Grundsätzlich gegen Abriss – Matthias Mahnke
  • aufmerksame Zuhörer
  • Architektin Eugenia Freund zeigt einen beeindruckenden Fim
  • Nina Rüb
  • Lisa
  • bewegtes land
  • Matthias Mahnke
  • Raumblüher
  • Jörg Stolper
  • Hausprojekte
  • christian villiers
  • nina und philipp
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About The Author

REINER ECKEL
Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz.
Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs.
Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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