Augenzeugenberichte und Faktencheck
„Ukraine und Europa“ hieß es gestern im gut besuchten Stadtlabor. Im „Grünen Salon“ hielten die Ukrainereisenden Matthias Friedrich und Torsten Pörnig einen Vortrag über die Entwicklungen und ihre Erfahrungen dabei.
Lange bevor Matthias Friedrich seit 2022 als Lieferant von Hilfsgütern in die Ukraine fährt hat er das Land mehrmals als Tourist besucht. Quer durchs Land über Stock und Stein mit dem Motorrad etwa. Seit Ausbruch des russischen Angriffskrieges hat der Lehrer Hilfsmittel wie Generatoren im Auto. Wie er die Ukraine vor dem Krieg erlebte und welche Eindrücke er heute mit nach Hause nimmt, schildert er in einem reich bebilderten Vortrag.
- Matthias Friedrich
- Torsten Pörnig
Wir sehen den quirligen Trubel einer ukrainischen Altstadt. Menschen bummeln, trinken hier draußen Kaffee, dort bieten sie Mitbringsel an … bis zum jähen Signal: Fliegeralarm! Manche Menschen, beobachtet Friedrich, stünden mit dem Blick in den Himmel ein paar Sekunden still, um dann ihren Weg scheinbar unbeeindruckt fortzusetzen. Im dritten Jahr des Krieges haben die Menschen gelernt, Gefahren abzuschätzen, das Risiko zu kalkulieren. Ritual im Alltag der Menschen in vielen ukrainischen Städten in diesen Zeiten. Ein Alltag, wie wir ihn uns kaum vorstellen können. Es sei schon ein mulmiges Gefühl.
Wir sehen die im Land allgegenwärtigen ukrainischen Fahnen und Farben. Jetzt erst recht haben die Ukrainer einen Nationalstolz entwickelt, der sie zusammenschweißt, nimmt Matthias Friedrich wahr. Vielerorts sind umgenutzte oder abgerissene ehemalige Denkmale als Zeugen russischen Einflusses. Und überall in den Straßen, den Fenstern, auf Autos der Aufruf, die Heimat gegen den russischen Aggressor zu verteidigen. Allgegenwärtig ist aber auch die Gastfreundschaft der Menschen und die Bereitschaft zum gemeinsamen Austausch. Das kann auch schonmal bis zum bierseligen gemeinsamen Singen und Freundschaft schließen führen, erfahren wir. Ein vom Krieg geplagtes Volk, Menschen, die nach Normalität suchen, ihr Leben weiter zu leben.
Ein häufiges Bild sind mit Sandsäcken dick eingepackte ukrainische Denkmäler. Putins Soldaten legen es darauf an, identitätsstiftende Orte zu vernichten. Bilder an diesem Abend, die auch mit erschreckend weit verbreiteten Narrativen aufzuräumen suchen. Etwa denen, die Angreifer würden keine zivilen Ziele bombardieren, die Ukraine hätte schon immer zu Russland gehört oder der Westen trage die Schuld an Putins Angriffskrieg.
Was die Bilder nicht direkt aussagen können, ergänzt Torsten Pörnig mit Fakten aus der Geschichte des Landes bis ins Heute. Heute erzählen die beiden schon von ihrer nächsten Fahrt mit Hilfsgütern. Dabei gäbe es schon mal dieses und jenes Missverständnis an der Grenze, erzählt Friedrich. Krieg macht eben auch misstrauisch. Das könne auch ein Mitbringsel bei der Ausreise bewirken, wie dieses. Friedrich zeigt eine Baumscheibe mit dem ukrainischen Wappen darauf, geformt aus leeren Patronenhülsen. Manche Grenzposten hätten dann doch genauer hinsehen wollen.
Etwas genauer hinsehen, das war auch das Ziel an diesem Abend. Nach dem Beifall für den Vortrag gab es vor allem gute Wünsche für die nächste Reise als Hilfsguttransport.
Demnächst in KulturZeitz
Subbotnik in der Innenstadt
Roßmarkt 13a, 06712 Zeitz
„MUSIK MUSIK, DU ECHO ANDRER WELTEN…“
Steinsgraben 16, 06712 Zeitz
FRÜHLINGSMARKT IM SCHLOSSPARK
Badstubenvorstand 17a, 06712 Zeitz
CAFÉ MOSAIKWöchentlich
Wendische Straße 29, 06712 Zeitz