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Auf den Spuren der Romanik im Elstertal

Auf den Spuren der Romanik im Elstertal

Von Leben, Steinen und Meuchelmord auf Posa

Reste der romanischen Apsis, 2018. Foto: Philipp Baumgarten

Urkundlich belegt ist die Gründung des Bistums Zeitz aus dem 10. Jahrhundert. Einige Jahre davor wurde der Regensburger Mönch Boso als Missionar entsendet, um die hiesige slawische Bevölkerung zu christianisieren und die Gründung des Bistums vorzubereiten. Boso gilt damit als Wegbereiter der Romanik in unserer Region. Mit ihm zogen neben sozialen und wirtschaftlichen Reformen zunehmend auch kulturelle in das zukünftige Stiftsgebiet ein, darunter auch eine neue Baukultur. Typisches architektonisches Merkmal der Romanik ist der Rundbogenstil, der sich in Pfeilern, Säulen und Gewölbebauten wiederfindet. Aber auch dicke Mauern und kleine Fenster prägen den Baustil dieser Epoche.
Die Gründung des Klosters Posa im Jahre 1114 fällt in diesen Zeitraum. Bekanntlich ist von der ehemaligen Klausur des Klosters nicht mehr geblieben, als eine meterhohe Schuttanhäufung, die das südöstliche Gelände leicht erhöht. Denn nachdem das Kloster im Zuge der Reformation aufgelöst wurde und zunehmend verfiel, trug man die Gebäude Stein um Stein ab und verwertete das gewonnene Baumaterial beim Neubau des heutigen Residenzschlosses Moritzburg. Den Spuren des romanischen Klausurbaus folgend, begann im Frühjahr 2017 die archäologische Untersuchung der Fundamentreste der einstigen Klosterkirche. Nach knapp zweijähriger ehrenamtlicher Ausgrabung, sind drei Bauphasen nachgewiesen, die zum Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag besichtigt werden können. Nicht nur die Reste der romanischen Hauptapsis sind deutlich erkennbar geworden, auch der Umbau des Chors in der Gotik ist in seinen Fundamenten erhalten geblieben. Bei Weitem sensationeller ist der Fund eines vorklösterlichen Baus, der bisher nicht eindeutig bestimmt ist, dennoch lässt die Sachlage darauf schließen, dass seine Bauzeit in das 10. Jahrhundert zurückreicht und damit zur Lebzeit von Boso entstanden sein könnte.
Nicht nur bauhistorisch, sondern auch metaphorisch ist die Fundstätte aufgeladen. 1123 fand hier ein Meuchelmord statt, der sinnbildlich als Rache für die Verdrängung der Slawen durch frühdeutsche Siedler wahrgenommen werden kann. Bischof Dietrich I., Gründer und Stifter des Klosters, kniete in besagtem Jahr im Gebet versunken vor dem Altar der Klosterkirche, als sich von hinten der slawische Laienbruder Benno näherte und den Bischof hinterrücks mit einem Dolch erstach.
Bis heute fasziniert die Geschichte des romanischen Zeitalters und wirft nicht wenige Fragen auf.

Einblick in die sagenumwobene Epoche erhalten Interessierte am kommenden Sonntag in Posa.

Tag des offenen Denkmals
9. September 2018
Öffnungszeiten: 11-18 Uhr
Führungen um 14 Uhr und um 16 Uhr

Luftaufnahme der Grabungsstätte, 2018. Foto: Philipp Baumgarten

 

Ansicht nach Gustav Sommer, 1875.
Ansicht nach Matthäus Merian, 1650.

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Medienkunst, Verlagswesen, Kloster Posa, Kreativwirtschaft, Denkmalkultur, Stilblüten aus Mitteldeutschland

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