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Ein Besuch bei Philipp Baumgarten und Martin Zeigner.

Die 9. Triennale Kunst in Sachsen-Anhalt Süd ist noch bis 11. Juli zu sehen. Philipp Baumgarten und Martin Zeigner sind erstmals vertreten. zeitzonline hat sie besucht.

Der erste Besuch der diesjährigen Triennale in Merseburg war ein einsamer. Corona verhinderte Publikumsverkehr. Ausgehungerte Kunstgucker können die Schau ab 1. Juni nun endlich besuchen. Mein Blick heute gilt allerdings zwei von drei Zeitzern, die zur Triennale erstmals Ausschnitte ihrer Arbeit zeigen. Auch Altmeister Joachim Hering stellt dort aus. Mir geht es aber um die „Neuen“ aus Zeitz. Newcomer, wie ich sie nenne. Was beide mit einem abwinkenden Lächeln quittieren. Ich treffe Martin Zeigner und Philipp Baumgarten auf Kloster Posa.

Redend über Gott und die Welt trinken wir einen Kaffee und steigen hinauf in Baumgartens Refugium. Der große Raum unterm Flachdach der ehemaligen Scheune ist eine Mischung aus Fotostudio und Atelier. Mit Kuschelecke zum Lesen und Schwatzen. Wir schwatzen.

Kulturhistorisches Museum
Schloss Merseburg

Domplatz 9 (Schloss)
06217 Merseburg

Geschäftsstelle Kommunikation
Tel. (03461) 401318
Fax (03461) 402006

Museum-Schloss-Merseburg

Erstmal Kunst gucken

Auf den ersten Blick denkst du ein gut belichtetes Foto. In den Raum aus tiefem Schwarz arrangierte Blumen strahlen dich an. Buchstäblich, denn Philipp Baumgartens Bilder sind hinterleuchtet. Zwei seiner jüngsten Arbeiten stehen an die Wand gelehnt in Augenhöhe.  Bevor er die Blumen scannt, nicht fotografiert, baut er seine Arrangements in einen eigens dafür angefertigten Rahmen. Die Dramaturgie der Anordnung folge meistens einem ikonographischen Herangehen, erzählt Baumgarten. Zusätzliche Spannung bringt die scheinbare Endlosigkeit der Tiefe, die dieses betörende Schwarz vermittelt. Wer Baumgartens nüchtern bis ernüchternd wirkende Fotoserien aus Mitteldeutschland kennt, der nimmt das Gegensätzliche zu dieser farbsatten Ästhetik wahr. „Mit diesen Arbeiten kann ich meinen Sinn für das Schöne befriedigen,“ kommentiert Baumgarten. „In Bloom“ heißen die beiden Arbeiten, die Baumgarten auf der Triennale zeigt.

Ganz anders Martin Zeigner. Schnell, wild und doch geordnet seine Stadtansicht in Acryl auf Leinwand. Gespachtelte knallige Farbdetails und Haussilhouetten werden in mehreren darüber liegenden, mit gebrauchten Druckwalzen bearbeiteten halbtransparenten Schichten zur schemenhaft wirkenden Stadtansicht aufgelöst. Baumgartens Bemerkung, es habe „etwas Dekoratives“ kommentiert Zeigner mit abwägendem Kopfschütteln. 140 mal 170 Zentimeter misst das Bild. Zu groß für die Triennale befand deren Kurator. Also wählte Martin Zeigner drei minimalistische Zeichnungen für die Ausstellung aus. Die leben vom Zufall, erzählt er, der eigentlich Rechtshänder ist. Diese kleinen Zeichnungen jedoch entstehen mit der Linken. Wenn er auf dem leeren Blatt ohne vorheriges Ziel loslegt beobachte er, was die Hand mit dem Stift anstellt. Er ließe sich dann jedes Mal überraschen, wohin die Hand den Stift führt.

Auf der Triennale zu sehen. Philipp Baumgarten (li-re), Martin Zeigner (Mitte)

Über die Triennale und dass sie dabei sind freuen sich beide. Wenigstens das, betonen beide. Denn im Gegensatz zu anderen Bundesländern fehle es in Sachsen-Anhalt an einer institutionell geförderten Stelle zur Präsentation und Bewahrung zeitgenössischer Kunst. Die Triennale selbst könne, vor allem aus Platzgründen. auch nicht das ganze Spektrum abbilden. So wären etwa multimediale und interaktive Kunst oder Performances nicht präsent.

Die Triennale wird im Wechsel in den Museen der Städte Merseburg, Weißenfels und Zeitz präsentiert. In diesen Häusern bleiben natürlich schon baulich die Möglichkeiten für Ausstellungen diesen Umfangs begrenzt. Diesen Spagat im Blick gelang den Kuratoren bislang gut, die Triennale zu einem Highlight für Kunst aus dem Süden zu machen.

Deshalb, darin sind sich Baumgarten und Zeigner einig, sei die Triennale ein gutes Format, Kunst aus Saale-Unstrut-Elster zu präsentieren.

Danke für das Gespräch.

Die 9. Triennales Kunst in Sachsen-Anhalt Süd
Kulturhistorisches Museum Merseburg
Noch bis 11. Juli 2021

Montag bis Donnerstag: 11 bis 17 Uhr
Freitag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr

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About The Author

REINER ECKEL Jahrgang 1953, wohnt in Zeitz. Der Web 2.0-Enthusiast ist in Sachen Web, Grafik und Layout als Autodidakt unterwegs. Betreibt zeitzonline.de seit 23. Februar 2011.

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